IDAHIT 2023 Redebeitrag Wurzen

Wir sind von Trans-Inter-Aktiv in Mitteldeutschland undsetzen uns für die Anliegen von trans, inter und nicht binär verortetenMenschen ein. Ein Ziel ist dabei einen besseren Zugang zu Gesundheits- undPflegeleistungen zu schaffen.
Um dies zu erreichen, entwickeln wir Materialien, bietenWorkshops für Fachkräfte an, organisieren Veranstaltungen und Netzwerktreffen.Wir richten unsere Angebote an Mediziner*innen, Psycholog*innen,Pflegefachkräfte, Körpertherapeut*innen und andere Heilberufe. Außerdem setzenwir uns auf politische Ebene für eine bessere Gesundheitsversorgung inMitteldeutschland ein.
Ein Gesundheitssystem, welches sich ausschließlich aufeine binäre Geschlechterordnung stützt, ist nicht hinnehmbar!
Das gesetzliche Verbot von Operationen an Kleinkindern,deren Zweck es nur war, die Körper an eine binäre Geschlechterordnunganzupassen, gibt es erst seit 2021. 2 Jahre ist diese menschenrechtsverletzendeOperationspraxis erst verboten! Intergeschlechtlichkeit wird immer nochpathologisiert. Dabei ist klar: Geschlecht ist vielfältig, auch auf derEbene der Biologie. Geschlecht wird nicht allein durch Genitalien bestimmt,mehr als 1000 Gene sind bei der geschlechtlichen Entwicklung beteiligt und esgibt eine Vielzahl möglicher Chromosomenkombinationen.
Immerhin wurde das Personenstandsrechts mittlerweile andiese Realität angepasst. Die Einführung des Geschlechtseintrags divers bzw.die Möglichkeit der Streichung des Eintrags war ein Anfang. Doch auch dasVerfahren nach PstG ist auch von einem ärztlichen Attest abhängig.
Wir fordern das Ende der Pathologisierung vonIntergeschlechtlichkeit sowie Entschädigungen für die menschenrechtsverletzendePraxis an inter* Personen!
Auch für trans* Menschen ist der Geschlechtseintrag diversoder die Austragung mittlerweile möglich. Sie müssen jedoch nach wie vor nachdem TSG verfahren. Das von der Bundesregierung angekündigteSelbstbestimmungsgesetz sollte nach vielen Kämpfen seitens der Communityursprünglich bis Ende 2022 vorliegen.
Nach langem Warten wurde mittlerweile einReferent*innenentwurf veröffentlicht. Ein weiterer wichtiger Schritt auf demWeg zur Selbstbestimmung von trans*, inter* und nicht-binärenPersonen. Nach über 40 Jahren der Diskriminierung durch das TSG, einlängst überfälliger Schritt. Trans*, inter* und nicht-binäre Menschen müsstenmit dem neuen Gesetz keinen übergriffigen Begutachtungsprozess und keinGerichtsverfahren mehr durchlaufen, um ihren Personenstand und Vornamenanpassen zu lassen.
Regelungen, wie die zum Hausrecht, die Wirksamkeits- undSperrfrist, die Regelungen für Minderjährige sowie die Ausnahmen beimOffenbarungsverbot können wir so jedoch nicht hinnehmen. Der Entwurf enthältdeutliches Diskriminierungspotenzial. Hier muss dringend nachgebessert werden!
Wir fordern den Beschluss einesSelbstbestimmungsgesetzes, welches seinen Namen auch verdient hat!
Wir fordern, dass trans*, inter* und nicht-binäreMenschen durch dieses Gesetz Schutz erfahren anstatt weiteren Diskriminierungenund Misstrauen Vorschub zu leisten!
Wir fordern Entschädigung für all jene trans* Menschen,denen durch das TSG Gewalt angetan wurde.
Wir wollen, dass alle Menschen bedingungslos selbstbestimmen können, welcher Name und welches Geschlecht zu ihnen passt.
Wir wollen eine Welt, die nicht nur in einerGeschlechterbinarität funktioniert, sondern Vielfalt zulässt und willkommenheißt.
Für die Gesundheitsversorgung heißt das: Wir braucheneine breite Sensibilisierungvon Fachkräften. Geschlechtliche Vielfalt mussThema in allen Ausbildungs- und Studiengängen werden. Wir brauchen kompetenteAnlaufstellen, auch im ländlichen Raum, sowie einen niedrigschwelligen Zugangzu Transitionsmaßnahmen für trans* und nicht-binäre Menschen, ohne langeWartezeiten, Begutachtungszwang sowie unabhängig von Aufenthaltsstatus oderpsychischen Erkrankungen.
Wir fordern eine flächendeckende, niedrigschwellige,sensible und angemessene Versorgung von trans*, inter* und nicht-binärenMenschen im Gesundheitsbereich!
Dabei wissen wir: Geschlecht ist ein politisch umkämpftesFeld. Als Community haben wir schon viel erreicht und werden immersichtbarer. Doch es gibt auch Bewegungen, die uns unsere Erfolge streitigmachen möchten. Konservative bis rechtsextreme Kräfte, die Aufklärungsprojektean Schulen verbieten wollen, gegen die Anerkennung geschlechtlicher Vielfalthetzen oder Misstrauen gegen unsere Community schüren.
Doch wir lassen uns davon nicht aufhalten! Wirwerden auch in Zukunft zusammenstehen und uns gemeinsam für eine bessere,solidarischere Gesellschaft einsetzen. Damit alle Menschen unabhängig vonZuschreibungen selbstbestimmt leben können!
***We‘re here, we‘re queer, we‘re fabolous, don‘t messwith us***
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